Urheberrecht

Die rechtliche Grundlage ist das Urheberrechtsgesetz (UrhG). Es schützt persönliche geistige Schöpfungen (§2 Abs. 2 UrhG) – beispielsweise Texte, Software, Fotos, Filme, Musik, Theaterinszenierungen, Rundfunksendungen, Gemälde, Skulpturen. Für einen urheberrechtlichen Schutz muss ein Werk eine „angemessene Schöpfungshöhe“ aufweisen. Vereinfacht ausgedrückt – es muss kreativ und originell genug sein. Jedoch sind die Anforderungen daran in der Regel nicht allzu hoch gesteckt. Fehlt jedoch die „Schöpfungshöhe“, so handelt es sich nicht um ein urheberrechtlich geschütztes Werk.

Wie funktioniert eigentlich das Urheberrecht?

Das Urheberrecht schützt die Person des Urhebers und ermöglicht eine Bezahlung des Urhebers. Es soll verhindert werden, dass andere sich kreative Leistungen aneignen und Geld damit verdienen, ohne vorher zu fragen oder etwas zu bezahlen (§11 UrhG).

Welche Rechte hat der Urheber (etwa der Autor eines Textes)? Er besitzt das Recht auf Verwertung seines Werkes. Dies beinhaltet Vervielfältigung, Verbreitung, Ausstellung, öffentliche Wiedergabe und Bearbeitung des Werkes. In Deutschland ist das Urheberrecht selbst nicht übertragbar. Es können nur Nutzungsrechte vom Urheber beispielsweise an Verlage, Plattenfirmen oder Filmproduktionsfirmen verkauft werden.

Das Urheberrecht muss auch nicht bei einer Institution angemeldet werden, es entsteht mit der Schöpfung des Werkes (des Textes, Videofilms usw.). Bei Urheberrechtsverletzungen kann der Urheber mit Hilfe eines Anwalts eine kostenpflichtige Abmahnung aussprechen. Zahlt der Abgemahnte nicht, so kommt es zu einem Gerichtsverfahren. Die Klärung, ob es sich um ein urheberrechtlich geschütztes Werk handelt, kann im Zweifelsfall erst in einem Gerichtsprozess erfolgen.

Grundsätzlich darf der Urheber allein darüber bestimmen, was mit seinen Werken passiert. Es gibt allerdings Einschränkungen, so genannte „Schrankenbestimmungen“ – beispielsweise Privatkopie-Schranke, Schranken für Unterrichtszwecke, Bibliotheken und Tagesberichterstattung. Diese Schrankenbestimmungen erlauben ganz bestimmte Vervielfältigungen wie Privatkopien oder für Unterrichts-/Ausbildungszwecke, ohne den Urheber zu fragen. Diese Regelungen gelten, wenn die Allgemeinheit ein Interesse daran hat, dass urheberrechtlich geschützte Werke genutzt werden können. Dieses Interesse ist wichtiger als das Interesse der Urheber und Rechteverwerter (z.B. Verlage).

Was müssen Azubis als Nutzer von Werken beachten?

Auszubildende, Ausbilder und Berufsschullehrer nutzen beispielsweise Fremdtexte, Software und fremde Fotos für unterrichtliche/ausbildungsbedingte oder private Zwecke. Was ist dabei zu beachten?

1. Texte

Wenn Auszubildende ein Referat in der Berufsschule oder eine Präsentation im Betrieb halten müssen, sind sie auf der Suche nach Texten. Manchmal ist die Zeit knapp, das Thema schwer oder die Recherche zu aufwendig. Keinesfalls dürfen aber Texte aus dem Internet oder aus Büchern einfach übernommen werden und mit dem eigenen Namen versehen werden. Das wären Plagiate – die unbefugte Verwertung eines Textes unter Anmaßung der Autorenschaft. In diesem Fall würde ein Verstoß gegen das Urheberpersönlichkeitsrecht des eigentlichen Autors vorliegen. Allerdings darf man sich von einem fremden Text inspirieren lassen und ein neues selbstständiges Werk schaffen. Dies gilt auch bei der Gestaltung einer Azubi-Firmenhomepage im Internet.

Verwendet man für Referate, Präsentationen oder Websites die Online-Enzyklopädie Wikipedia, so unterliegen die dortigen Texte einer besonderen Lizenz. Erlaubt ist, den Text beliebig zu kopieren, zu verwenden oder weiter zu verarbeiten. Man muss dabei Wikipedia als Quelle angeben. Plagiate sind hier natürlich auch nicht erlaubt.

Wie sind die Regelungen für Text-Kopien für den Unterricht/die Ausbildung? Ausbilder und Berufsschullehrer dürfen urheberrechtlich geschützte Texte nicht beliebig für Bildungszwecke kopieren. Zulässig ist es, kleine Teile eines Buches – man geht von maximal 10 Prozent eines Buches aus – oder einzelne Artikel aus einer Zeitschrift zu kopieren. Ein ganzes Buch oder eine komplette Zeitschrift dürfen nur ausnahmsweise für die Auszubildenden fotokopiert werden, wenn das Werk seit mindestens zwei Jahren vergriffen ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Printpublikation oder eine Online-Veröffentlichung handelt.

Was ist zu beachten, wenn fremde Texte auf dem Schulserver/Ausbildungsserver zur Verfügung gestellt werden sollen? Zur Vorbereitung des Unterrichts/der Ausbildung online dürfen kleine Teile eines fremden Text-Werkes online gestellt werden, wenn dies zur Veranschaulichung von Inhalten der Ausbildung dient. Die angesprochenen Fremdtexte müssen jedoch in einem passwortgeschützten Bereich für die Auszubildenden abgelegt werden. Die digitale Bereitstellung ganzer Schulbücher auf dem Schulserver/ Ausbildungsserver darf nur erfolgen, wenn der entsprechende Verlag einwilligt. Ausbilder und Berufsschullehrer dürfen selbstverständlich selbst erstellte Materialien jederzeit (unabhängig vom Seitenumfang) ins Intranet einer Schule/eines Betriebes einstellen.

Für private Zwecke dürfen Auszubildende, Ausbilder und Berufsschullehrer Kopien von urheberrechtlich geschützten Texten anfertigen. Es gilt die „Privatkopie-Schranke“ des Urheberrechtsgesetzes. Privat bedeutet dabei im Allgemeinen, für sich selbst, für Freunde und für Familienangehörige.

Wenn Auszubildende einen Blog auf ihrer privaten Homepage eingerichtet haben, gilt natürlich für Fremdtexte auch die Plagiat-Regelung.

2. Software

In der Ausbildung wird vielfach mit Software gearbeitet – beispielsweise Buchhaltungsprogramme, Grafikprogramme, Ausbildungssoftware, Edutainment-Lernsoftware. Von diesen Computerprogrammen darf man laut Gesetz nur eine Sicherheitskopie anfertigen. Wenn man die Software verkauft oder verschenkt, muss die Sicherheitskopie entweder mitgegeben oder vernichtet werden.

Daneben gibt es so genannte Open-Source und Freeware-Programme – beispielsweise „Open Office“. Hier ist in den Lizenzbedingungen Kopieren und Weitergeben ausdrücklich erlaubt.

3. Fotos

Als Auszubildender benötigt man beispielsweise für Referate, eine Azubi-Firmenhomepage oder eine Azubi-Zeitung Fotos. Wenn Fotos von Schülern oder Lehrern gemacht werden sollen, regelt dies das Kunsturhebergesetz. Die Bilder dürfen nur mit Einwilligung der Betroffenen verbreitet oder veröffentlicht werden. Bei minderjährigen Schülern ist eine Einverständniserklärung der Eltern erforderlich. Dies gilt sowohl für Printmedien als auch für das Internet.

Anders ist es, wenn man ein Foto des Berufsschulgebäudes oder des Firmengebäudes veröffentlichen möchte, auf dem einige Personen weiter entfernt zu sehen sind. Wenn dabei die abgebildeten Personen nicht im Mittelpunkt des Fotos stehen, muss keine Einwilligung eingeholt werden. Dies gilt auch bei Fotos von Schulversammlungen oder Betriebsversammlungen mit mehreren hundert Teilnehmern. Es gibt jedoch bei Fotos immer auch schwierige Grenzfälle.

Möchte man für ein Referat oder eine Azubi-Zeitung fremde Fotos von Fotografen verwenden, so ist grundsätzlich die Erlaubnis des Fotografen einzuholen. Es sei denn, die Bilder sind zur freien Nutzung freigegeben. Man sollte in jedem Fall bei Verwendung fremder Fotos den Namen des Bildurhebers nennen.

Literaturhinweise:

  • Harke, D.: Urheberrecht. Fragen und Antworten. Heymanns Verlag, Köln 2001.
  • Rehbinder, M.: Urheberrecht. Verlag Beck, München 2008.